Kolkata.
Seit den Zeiten von
Mohammed Shahid hat kein indischer Stürmer im Welt-Hockey
für so viele Schlagzeilen gesorgt wie Dhanraj Pillay (33).
Seine Spezialitäten sind Dribbling und
Scorer-Fähigkeiten, aber auch Diskussionen mit dem
Schiedsrichter aus. Er spielte bereits in Indien, England,
Frankreich, Bangladesh, Malaysia und für den deutschen Club
Stuttgarter Kickers. Der aussergewöhnliche Mittelstürmer
von Weltklasseformat hielt sich kürzlich in Kolkata am Rande der
Geburtstagsfeier von Dhyan Chand auf und wurde von einem
Reporter interviewt. Im Folgenden ein paar Auszüge dieses
Gespräches.
Man erwartete von Indien leichtes
Spiel bei der Weltmeisterschaftsqualifikation, was die
Mannschaft nicht unbedingt bestätigen konnte. Warum spielt
das indische Team nicht konstant?
Ich glaube, dass dies nicht der richtige
Zeitpunkt ist, um Kritik auszuüben. Optimismus hat noch
niemandem geschadet. Meiner Meinung ist die Tatsache, dass
wir uns für die Weltmeisterschaft qualifizieren konnten,
bereits eine grosse Sache. Wir müssen darüber nachdenken,
wie wir besser auftreten können.
Was sind die Stärken und Schwächen
des Teams?
Wir haben ein gutes Team und einen
pragmatischen Trainer Cedric D'Souza. Das Ausmass an
Erfahrung und Fitness ist auf unserer Seite recht hoch.
Allerdings müssen wir unsere Trefferquote bei Kurzecken
verbessern. Ausserdem müssen wir einen Weg finden, uns die
Schnelligkeit und Stärke der Europäer anzueignen.
Regelmässige Änderungen im Team bringen es auch nicht.
Werden wir Dhanraj Pillay in der
Weltmeisterschaftsmannschaft sehen?
Ich
bin fit und trainiere regelmässig. Ich würde sehr gern
wieder die Nationalfarben tragen dürfen und hoffe meinen
Platz in der Mannschaft zu finden.
Haben Sie Ihre Probleme mit dem
indischen Hockeyverband aus dem Weg geräumt?
Ich habe keine Probleme mit dem Verband.
Während des Trainingslagers in Bangalore Anfang diesen
Jahres hatte ich mich verletzt und war somit gezwungen viele
Testserien und die Weltmeisterschaftsqualifikation in
Edinburgh nur als Zuschauer zu verfolgen. Dann wurde ich
für das Jammu-Trainingslager nominiert. Doch
unglücklicherweise wurde ich von einer Terroristengruppe
bedroht und so entschied ich mich lieber nicht an jenem
Trainingslager teilzunehmen. Ich habe meine Sichtweise
klargemacht und bin jederzeit bereit am nächsten
Trainingslager teilzunehmen.
Wie gross war die Enttäuschung, bei
den Olympischen Spielen 2000 in Sydney das Halbfinale
verpasst zu haben?
Das war der Tiefpunkt meiner Karriere.
Wir haben es nicht geschafft unsere Ein-Tor-Führung im
wichtigsten Moment des Spieles gegen Polen zu halten. Als
Konsequenz mussten wir im Siebenmeterschiessen den Kürzeren
ziehen. Wir hatten eine gute Strategie, doch es war
regelrecht unglücklich, dass sie nicht funktioniert hat.
Was
war der denkwürdigste Moment Ihrer Karriere?
Der Gewinn der Goldmedaille 1998 bei den
Asienspielen. Damals war ich Mannschaftskapitän und wurde
als bester Scorer ausgezeichnet.
In den letzten Monaten wurde der
indische Sport von Doping überschattet. Denken Sie, dass
auch Hockey davon betroffen ist?
Mit Doping ist nicht zu spassen. Doch ich
bin sicher, dass der Hockeysport noch nicht davon betroffen
ist. Bei all unseren Spielen müssen wir uns Dopingtests
unterwerfen. Bis jetzt gab es noch keine positiven
Ergebnisse. Ich bin mir sicher, dass das auch in Zukunft so
bleiben wird.
Was gibt es Neues in bezug auf Ihre
Akademie?
Die Pillay-Ballal-Akademie in Bangalore
wird im Oktober 2001 ihre Tore öffnen. Ihr Pendant in
Mumbai ist derzeit noch in der Planungsphase.